April 2018

Das PWS-Team in Honduras hat am 9. April 2018 an einer Veranstaltung von ERIC (siehe unten) teilgenommen. ERIC hat den Bericht 2017 zur öffentlichen Meinung in Honduras vorgestellt. Der Bericht ist das Ergebnis von Umfragen und Untersuchungen, die ERIC übers Jahr systematisch vornimmt. Der Bericht zeigt die grosse Unzufriedenheit der Bevölkerung und die verbreitete, tiefe Ablehnung gegenüber der Regierung. Es ist der 8. Bericht dieser Art, den ERIC vorlegt. 

 

 

ERIC (Equipo de Reflexión, Investigación y Comunicación) analysiert die Ereignisse in Honduras, klärt auf und informiert; ERIC arbeitet mit Radio Progreso zusammen. ERIC und Radio Progreso  werden vom honduranischen Jesuitenpater Ismaël Melo (Padre Melo) geleitet und von der Comañía de Jesús (Jesuitenorden)  betrieben. Padre Melo ist eine der bedrohtesten, aber auch populärsten Persönlichkeiten in Honduras.

Hier der Bericht ERIC

Video der Präsentation des Berichtes ERIC

 


12. MÄRZ 2018

Sonderentwicklungszonen im Süden von Honduras – Vertreibungbefehl für die Gemeinschaft von Ranchería

In den Departementen Valle und Choluteca am Golf von Fonseca will die honduranische Regierung eine sogenannte Sonderentwicklungszone einrichten, einen extraterritorialen Raum, in welchem nationale Gesetze kaum gelten und ideale Bedingungen für Auslandsinvestitionen herrschen sollen. Zahlreiche Projekte sind bereits geplant; von der ansässigen Bevölkerung wird erwartet, dass sie das Feld räumt und/oder sich als Arbeitskraft zur Verfügung stellt. Wenn sich die Menschen dagegen wehren, werden sie kriminalisiert und bedroht.

In der Südregion von Honduras ist das Wasser ein knappes, geschütztes Gut, so wertvoll wie das Leben selbst. Genau in dieser Region hat die honduranische Regierung grosszügige Kozessionen für die Errichtung von ausgedehnten Solarstrom-Anlagen erteilt. Was bei uns auf den ersten Blick fortschrittlich erscheinen könnte, ist im Kontext für die Menschen die Umwelt eine Katastrophe. Die Menschen sollen, das Land, das sie bebauen, verlassen; der Strom, der auf ihrem Land erzeugt werden soll, dient nicht der regionalen Entwicklung, sondern ist fürs lukrative Exportgeschäft gedacht. Solarstromfelder brauchen für die Reinigung der Pannels enorme Mengen von Wasser. Sie machen das lokale Ökosystem kaputt, indem sie die schützende Vegetation zerstören. Örtliche Quellen werden übernutzt und versiegen, die Region trocknet aus und die Hitze im Umkreis der Pannelfelder nimmt zu.

Die Gemeinschaften von Prados 1, Prados 2 und Ranchería verteidigen das Land und ihre Lebensgrundlage seit 2 Jahren mit rechtlichen Mitteln gegen die Übernahme der Konzessionäre. Sie werden dafür kriminalisiert und eingeschüchtert. Am 1. März 2018 haben die VerteidigerInnen des Landes von Rachería den richterlichen Räumungsbefehl erhalten. Die Räumung wurde am 8. März vollzogen. Fünf Einheiten von Polizei und Militär waren aufgeboten, um die BewohnerInnen zu vertreiben.

Aus Sicht der AnwältInnen, welche die Gemeinschaften juristisch begleiten und beraten, ist dies ein verfassungswidriger Übergriff auf Bäuerinnen und Bauern. Die Anwältin Denia Castillo vom Anwältinnen-Netzwerk erklärt, dass die Personen, die von der Räumung betroffen sind, den Tatbestand der „Besetzung“ keineswegs erfüllen, sondern vielmehr ihr verfassungsmässiges Recht auf Mitbestimmung über das Land, das sie bewohnen und bebauen, gefordert hatten. Vielmehr ist es so, dass sie ihr Recht auf Mitbestimmung nie erhalten haben. Eine Vertreterin der Gemeinschaft sagt im lokalen Radio: „Wir sind bereit, gegenüber den Behörden weiter für unser Recht und Land zu kämpfen. Wir machen die Regierung von Juan Orlando Hernández für die Übergriffe verantwortlich.“

Foto Räumung Ranchería / Foto Interview bei der Räumung

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ENDE JANUAR 2018

Zweite Präsidentschaft von Juan Orlando Hernández

Nach den Wahlen vom 26. November 2017 in Honduras und dem offensichtlichen Wahlbetrug des amtierenden und Präsidenten Juan Orlando Hernández ist es in Honduras zu grossflächigen Protesten gekommen. Hernández hatte sich nur nach einer manipulativen Verfassungsänderung überhaupt zur Wiederwahl stellen könnte. Nach ersten Auszählungen der Stimmen hatte sich gezeigt, dass der Kandidat des Oppositionsbündnisses eine Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigt hatte. Dieses Resultat gab im Empfinden der Menschen die Stimmung im Land wieder. Doch nach fast drei Wochen ohne definitives Wahlergebnis, nach landesweiten Protesten, Ausgangssperren und Repression, gab das Wahltribunal am 17. Dezember die Wiederwahl von Hernández bekannt. Seiher haben Polizei und Armee de Proteste zurückgedrängt, und am 26. Januar 2018 wurde Hernández für eine weitere Amtszeit vereidigt – unter Ausschluss der Öffentlichkeit und massiven Sicherheitsvorkehrungen. Die Menschen in Honduras verbinden ihn mit der Gewalt, Korruption und Straflosigkeit sowie mit dem Verlust an menschlicher, wirtschaftlicher und juristischer Sicherheit, die sie seit dem Putsch von 2009 erleben. Die Macht des Präsidenten und seiner Partei stützt sich auf Armee und Polizei.

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MONTAG, 15. JANUAR 2018

Extreme Polarisierung

Seit Anfang Januar haben in verschiedenen Städten Proteste stattgefunden. In Tegucigalpa waren nach Angaben von Radio Progreso am 12. Januar rund 30‘000 Menschen beteiligt. Personen, die dabei waren, berichten, dass die gewaltfreien Proteste von der Polizei  vorbehaltlos mit Tränengas, Gummischrot  und Wasserwerfern angegriffen wurden.  Es gab viele Verletzte und zahlreiche Verhaftungen. Am Protestmarsch teilgenommen hat  auch der frühere, geputschte  Präsident Mel Zelaya. Er wollte mit der Polizei verhandeln, den Protestierenden ihre freie Meinungsäusserung zu lassen. Die Polizei hat ihn mit Tränengas eingenebelt, was das Gefühl von Ohnmacht auf der Seite der Protestierenden massiv verstärkt hat.  Für viele ist dies ein Indikator für die extreme Polarisierung und totale Gesprächsverweigerung von Seiten der Regierung.

Die Stimmung bleibt äusserst angeheizt. Juan Orlando Hernández wird sich am 27. Januar  2018 als Präsident vereidigen lassen.  Er wird dies „diskret“ und abgeschottet von einer Öffentlichkeit tun. Es wird davon ausgegangen, dass es in der Woche vom 20. Januar zu massiven, landesweitern Protesten gegen wird. In der Repression gegen die Proteste seit Ende November sind  bereits 36 Menschen getötet worden (bestätigte Zahl), hunderte sind verhaftet worden, ohne dass die Weltöffentlichkeit  wirklich davon Notiz genommen hätte. Kein einziger der bisherigen Tötungsfälle wird untersucht.  Die Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) verlangt nach wie vor eine Wiederholung der Wahlen in Honduras. 

Radio Progreso, ein unabhängiger Sender, leistet in Honduras seit Jahrzehnten eine unverzichtbare, bei der Bevölkerung geschätzte Informationsarbeit. Aktuell ist RP eine wichtige Klammer für die Zivilgesellschaft. Sie können Radio Progreso auf Internet hören:  http://radioprogresohn.net

"Crónica de un fraude anunciado" - análisis de la eurodiputada Lola Sánchez


MONTAG, 4. DEZEMBER 2017

Übersicht zu den Ereignissen in Honduras seit den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen am 26. November 2017

Die Chronologie auf Spanisch (Quelle Allianz) ist hier.

Der aktuelle Präsident Juan Orlando Hernández (JOH) vom Partido Nacional hatte sich entgegen der Verfassung zur Wiederwahl gestellt. Aufgrund seiner Amtsführung und Handlungsweise gilt er als korrupt und involviert ins organisierte Verbrechen.  Die Regierung kontrolliert die Wahlregister, in welcher u.a. rund 1 Million Personen verstorbener Personen nicht gelöscht worden sind, und das Oberste Wahltribunal (Tribunal Supermo Electoral TSE) ist ebenfalls unter der Kontrolle von JOH und dem Partido Nacional. 

Mit eigenen Kandidaten zur Wahl gestellt hatten sich neben dem Partido Nacional (PN) die traditionelle Gegenspielerin des PN, der Partido Liberal (PL) sowie eine breite Allianz von Parteien und zivilgesellschaftlichen Bewegungen „La Alianza“  (die Allianz) mit dem Kandidaten Salvador Nasralla. Der Wahlsonntag vom 26. November ist planmässig und ruhig über die Bühne gegangen.

Nach der Auszählung von 50% der Stimmen zeigte sich am Abend des 26. November, dass Salvador Nasralla von der Allianz mit einem Vorsprung von 5 Prozentpunkten vorne liegt. Nach zwei IT-Blackouts lag dann aber Juan Orlando Hernández in Führung. Bis heute sind keine Resultate offiziell bestätigt. Die OAE und weitere diplomatische Kreise verlangen eine Nachzählung.  Die Allianz stellt die Forderung nach einer neuen Auszählung der Stimmen unter Aufsicht der UNO.

Für die Menschen, die in dieses äusserst angespannten Situation in grossen Massen auf die Strasse gehen, besteht nicht der geringste Zweifel daran, dass in diesen Tagen der Wahlbetrug und die Wiederwahl von JOH konstruiert wird. Die riesige Frustration in der Bevölkerung über die Entwicklung seit dem Putsch von 2009 und die Ohnmacht gegenüber der Regierung von JOH kommt in diesen Protesten zum Ausdruck. Der sich anbahnende Wahlbetrug von JOH und dem PN bringt bei den Menschen das Fass zum Überlaufen. In der Nacht von Freitag, 1. Dezember, bleibt der Regierung kein anderes Instrument mehr, als eine Ausgangssperre zu  verhängen. Trotzdem gehen die Proteste landesweit weiter. Bis Montag, 4. Dezember, wurde kein Wahlresultat bestätigt.

Radio Progreso, eine unabhängiger Sender, leistet in Honduras seit Jahrzehnten eine unverzichtbare, bei der Bevölkerung geschätzte Informationsarbeit. Aktuell ist RP eine wichtige Klammer für die Zivilgesellschaft. In der Nacht vom 9. auf den 10. Dezember ist der Sendeturm bei Tegucigalpa durch Sabotage zerstört worden. Seitdem ist RP nur noch auf Internet zu hören. Hören Sie dazu den Aufruf von Radio Progreso.

Analyse zur Wahl in Spansich

Bolletin informativo (6.12)

Video: Song einer jungen Rapperin aus Honduras

Video: Massenproteste in Honduras

Communiqué der Asociación de Cooperación Internacional en Honduras, der PWS und verschiedene Schweizer NGO angehören, vom 1. Dezember 2017

Communiqué des Forums Schweiz-Honduras vom 1. Dezember 2017


OKTOBER 2017

GAIPE-Bericht zum Mord an Berta Cáceres

Am 31. Oktober 2017 hat die internationale ExpertInnengruppe für juristische Beratung im Mord an der Anführerin der honduranischen Organisation COPINH, Berta Cáceres (GAIPE) in Tegucigalpa ihren Bericht vorgelegt. Daraus geht hervor, dass die Ermordung von Cáceres am 2. März 2016 von langer Hand geplant gewesen war; zudem macht der Bericht die Verquickung von Interessen, die breite Komplizen- und Mitwisserschaft deutlich. Die am Bericht beteiligten ExpertInnen, aber auch die Führungspersonen von COPINH und alle, die am Zustandekommen des Berichts mitarbeiten, haben sich im honduranischen Kontext mit der Veröffentlichung neu und zusätzlich exponiert. Internationale Begleitung auf jeder Ebene ist nötig! Die GAIPE ist auf internationalen Druck zustande gekommen.

GAIPE-Bericht als pdf

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SOMMER 2017

Handlungsspielräume der Zivilgesellschaft in Honduras

Auf dem Weg zum neuen Projekt ACO-H hat PWS zusammen mit HEKS und KOFF/swisspeace ein Kontextstudie zu Honduras durchgeführt und an einem gemeinsamen Lernprozess zur Situation der zivilgesellschaftlichen Organisationen und ihrem Handlungsspielraum in Honduras teilgenommen. Die Kurzversion der Studie finden Sie auf Spanisch hier und Englisch hier.

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News

Zwei Jahre seit der Ermordung von Berta Cáceres

Am 3. März 2018 jährte sich der Tod von Berta Cáceres zum zweiten Mal. COPINH lud zu einer...



Situation in Honduras nach den Wahlen

Seit den Wahlen vom 26. Novembr 2017 ist Honduras am Rande des Chaos Der aktuelle Präsident und das...



Zur Lage in Honduras

Zum 8. März 2017 und mit Blick auf die besorgniserregenden Ereignisse in Honduras hat die...



Der Mord an Berta Cáceres jährt sich heute

Am 3. März 2016 wurde die honduranische Menschenrechtsverteidigerin Berta Cáceres in ihrem Haus...



Honduras: Delegationsreise vor den Wahlen 2017

Nehmen Sie an eine Beobachtung der Menschenrechte mit dem Honduras Forum Schweiz teil



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