November 2017

 

Liebe Leserinnen und Leser, liebe FreundInnen von PWS

Weltweit werden die Handlungsspielräume von Menschenrechtsorganisationen und -verteidigerInnen immer kleiner und enger. Dieses als "Shrinking spaces" bekannte Phänomen können wir auch in den Konfliktregionen beobachten, in denen PWS aktiv ist: Guatemala, Honduras, Kolumbien und Israel/Palästina. Umso mehr verdienen jene Kräfte und (Basis-)Organisationen unseren Respekt, die trotz zunehmend repressivem Klima in ihrem Land friedlichen Widerstand leisten und sich für ihre Rechte wehren - sei dies im Gerichtssaal, auf der Strasse, oder durch das Schreiben gegen den Mainstream.

Dieses Jahr zeigt Peace Watch Switzerland anlässlich des Internationalen Tags der Menschenrechte und im Rahmen des Menschenrechtsfilmfestivals Zürich den Film "500 años" aus Guatemala. Der Film erzählt die Anklage wegen Genozids an der Maya-Bevölkerung gegen den ehemaligen Präsidenten Ríos Montt und schildert die Kämpfe der Indigenen gegen die Enteignung durch private Rohstoffkonzerne. Er endet mit der Protestwelle einer breiten Zivilbevölkerung, die 2015 den korrupten Präsidenten Otto Pérez Molina aus dem Amt drängte.

In diesem Sinne: Raus zum 10. Dezember!

Das Peace Watch-Team

 

FILM-VORFÜHRUNGEN

Samstag, 25. November , 13.30 Uhr: In Zürich wird ein Film über den Kampf der Frauen von Sepur Zarco /Lote 8 gegen sexuelle Gewalt gezeigt. Die Frauen von Sepur Zarco wurden von PWS-Freiwilligen begleitet. Anschliessend Diskussion mit der Menschenrechtsaktivistin Reyna Mateo aus Huehuetenango, Guatemala. Mehr Info

Mittwoch, 29. November, 20 Uhr: La Buena Vida - Das Gute Leben, Dokumentarfilm von Jens Schanze über die europäische Kohleproduktion in Kolumbien und die desaströsen Konsequenzen für die dort lebende indigene Bevölkerung. Nach dem Film Fragerunde mit Stephan Suhner, ask! Mehr Info

Donnerstag, 7. Dezember, 18.00 Uhr: Disturbing the Peace, Dokumentarfilm über die israelisch-palästinensische Organisation «Combatants for Peace», in der ehemalige Kämpfer beider Seiten sich für eine gewaltfreie Lösung des Nahostkonflikts einsetzen. Mehr Info

10. Dezember, 11.30 Uhr: Internationaler Tag der Menschenrechte. PWS organsiert im Rahmen des Human Rights Film Festival Zurich die Vorführung des Films "500 años" von Pamela Yates. Anschliessend Gespräch mit dem in Guatemala lebenden Menschenrechtsanwalt Miguel Moerth. Flyer

 

AKTUELLES

Zwei Menschenrechtsverteidiger aus San Pablo (Dep. San Marcos, Guatemala), die von ACOGUATE begleitet werden, kommen Ende Monat in die Schweiz. Am 28. November 2017 findet um 19.00 Uhr eine öffentliche Veranstaltung an der Uni Dufour in Genf statt.


Das nächste Ausbildungstraining für freiwillige Menschenrechtsbeobachtende in Guatemala, Honduras und Kolumbien findet vom 25. bis 28. Januar 2018 statt. Wir suchen noch Freiwillige für Einsätze im 2018. Bewerbungsschluss 30. November 2017

PWS sucht per 1. Februar 2018 eine/n Verantwortliche/n fürs Fundraising. Stelleninserat

Ab Januar 2018 beginnen die nächsten swisspeace Ausbildungskurse. Übersicht

Und zum Schluss: Neuigkeiten zur Konzernverantwortungsinitiative (Kovi) gibt’s hier.

 

GUATEMALA

Vom 25. November bis am 10. Dezember findet die Kampagne «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» statt. Im letzten «¡fijáte!», dem deutschsprachigen Informationsbulletin zu Guatemala, wurde dazu passend der Text «Von Gewalt bedroht: Eine Mayafrau leistet Widerstand» (S. 1-2) sowie das dazu gehörende Interview «‹Im Machismo werden Frauen als Dinge betrachtet.› – Die Mayas und der Feminismus» (S. 2-3) veröffentlicht.

Die Übergriffe auf MenschenrechtsverteidigerInnen (MRV) nahmen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres wieder zu. Die guatemaltekische Menschenrechtsorganisation UDEFEGUA zählte von Januar bis Juni 236 Übergriffe. Dies entspricht rund 90 Prozent der Übergriffe des gesamten Vorjahrs.

Im Juni-Newsletter (S. 2) berichteten wir über das niederschmetternde Urteil im Fall von Angélica Choc, gegen das ihre Anwältin Rekurs eingereicht hat. Diesem wurde am 14. September dieses Jahres stattgegeben, so dass der Fall gegen den Angestellten der Sicherheitsfirma der Nickelmine in El Estor, Mynor Padilla, neu aufgerollt werden muss. Mynor Padilla hat sich wegen Mordes und schwerer Körperverletzung zu verantworten.

Lange war es still um den sogenannten Genozidprozess. Am 13. Oktober dieses Jahres wurden die Verhandlungen gegen Ex-Diktator Ríos Montt und Ex-Geheimdienstchef Rodríguez Sanchez endlich wieder aufgenommen. Die beiden sind wegen Völkermords an den Mayas während des internen bewaffneten Konflikts angeklagt.

Vier PWS-Freiwillige leisten momentan einen Einsatz in Guatemala. Lesen Sie ihre Berichte auf unseren Blogs «Unterwegs für Menschenrechte» (deutsch) und «Echos d‘ Amérique latine» (französisch und italienisch) sowie auf dem Blog von ACOGUATE (spanisch). Infos über die begleiteten Fälle finden Sie auch im Bulletin von ACOGUATE.

 

HONDURAS

Nachdem PWS in Honduras die formaljuristische Akkreditierung als internationale NGO erlangt hat, kann das Begleitprojekt ACO-H starten. PWS wird Anfang März erste internationale BegleiterInnen entsenden. Das Projekt findet innerhalb des HEKS-Programms zum Schutz von MenschenrechtsverteidigerInnen und natürlichen Ressourcen statt. Begleitet werden Basisorganisationen und -gemeinschaften sowie honduranische Organisationen und Netzwerke für die juristische Begleitung von MenschenrechtsverteidigerInnen im Süden des Landes.

Am 31. Oktober 2017 hat die internationale ExpertInnengruppe für juristische Beratung im Mord an der Anführerin der honduranischen Organisation COPINH, Berta Cáceres (GAIPE) in Tegucigalpa ihren Bericht vorgelegt. Daraus geht hervor, dass die Ermordung von Cáceres am 2. März 2016 von langer Hand geplant war; zudem macht der Bericht die Verquickung von Interessen und die breite Komplizen- und Mitwisserschaft deutlich. Die am Bericht beteiligten ExpertInnen, aber auch die Führungspersonen von COPINH und alle, die am Zustandekommen des Berichts mitarbeiteten, exponierten sich im honduranischen Kontext mit der Veröffentlichung neu und zusätzlich. Internationale Begleitung auf jeder Ebene ist nötig! Die GAIPE ist auf internationalen Druck zustande gekommen.

 

KOLUMBIEN

Wer erinnert sich noch an die Anfänge des Begleitprojektes von PWS in Kolumbien? Unser erstes Begleitmandat war eine Präsenz bei der ATCC (Vereinigung der Arbeiter und Bauern der Carare-Gegend) in der Friedensgemeine La India. Nach einigen Jahren nahm die Bedrohung dort ab und PWS begann, Gemeinschaften zu begleiten, die stärker bedroht waren. Nun, acht Jahre nach dem ersten Besuch von PWS hat wieder ein Begleitteam die Gemeinschaft besucht. Anlass dafür war der 30. Jahrestag ihrer Organisation und ihres Engagements für den Frieden. Lesen Sie hier den Blogartikel zum Besuch bei der ATCC. 


Der Landrechtsfall von Las Pavas, welcher in Kolumbien zu den Präzedenzfällen zählt, befindet sich hoffentlich auf der Zielgeraden. Eine alte Tradition der Gemeinschaft ASOCAB in Las Pavas ist das Erzählen und Erinnern durch Musik. Unsere Partnerorganisation PAS hat drei leidenschaftliche Songs eines Leaders der Gemeinschaft aufgenommen. Sie handeln vom Kontext, dem Leben und der Hoffnung der Gemeinschaft endlich in Frieden auf ihrem Land leben zu können.

 

PALÄSTINA / ISRAEL

Anfang November hat die Israelische Regierung militärische Räumungsbefehle, wie sie bisher nur für die Evakuierung von illegal errichtete Aussenposten israelischer Siedlungen verwendet wurden, gegen drei palästinensische Gemeinschaften erlassen. Über 400 Personen und ihr Hab und Gut sollen innerhalb von 8 Tagen umgesiedelt werden. Es handelt sich dabei um die von EAPPI begleiteten Gemeinschaften Jabal al Baba, Ein Al Hilwe und Um al Jamal.

Mitte November sind fünf Schweizer Freiwillige nach Palästina/Israel ausgereist, um einen Einsatz im Rahmen des EAPPI-Begleitprojekts zu leisten. Einer von ihnen wurde von den Israelischen Behörden bei der Einreise zurückgewiesen.

Neu schreiben die EAPPI-Freiwilligen auf Französisch und Deutsch auf einem gemeinsamen Blog. Frühere Blogeinträge sind dort verlinkt.

 
 

News

Wiedereröffnung Genozidprozess

Am 13. Oktober 2017 wurde der Prozess gegen Ex-Diktator Ríos Montt und Ex-Geheimdienstchef...



El Guayabo: Räumungsbefehl vorläufig verschoben

Der richterliche Befehl zur Vertreibung von BewohnerInnen von El Guayabo ist verschoben worden....



Events

Infoveranstaltung Menschenrechtsbeobachtung Frühling 2018

Peace Watch Switzerland (PWS) und Peace Brigades International (PBI) entsenden freiwillige...



Delegationsreise

Die Guatemalanetze Bern und Zürich führen im Februar 2018 eine Delegationsreise nach Guatemala...



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