Zehn Jahre nach dem Mord an Berta Cáceres

Zehn Jahre nach dem Mord an Berta Cáceres

Abschlussbericht bestätigt systematische Verantwortung und fordert umfassende Gerechtigkeit

Februar 2026

Am 12. Januar 2026 wurde der Abschlussbericht der Unabhängigen Interdisziplinären Expert*innengruppe (GIEI) zum Mord an der Menschenrechtsverteidigerin und Lenca-Anführerin Berta Cáceres veröffentlicht. Die Präsentation fand unter Beteiligung von Vertreter*innen des GIEI, von COPINH (Consejo Cívico de Organizaciones Populares e Indígenas de Honduras), der Familie Cáceres sowie staatlicher Institutionen statt. Der Bericht markiert einen entscheidenden Schritt in der Aufarbeitung eines der schwerwiegendsten Verbrechen gegen Menschenrechtsverteidiger*innen in Honduras.

Er bestätigt, dass der Mord Teil systematischer Angriffe gegen Gegner*innen des Wasserkraftprojekts Agua Zarca war und von Auftragsmördern, militärisch geschulten Mittelsmännern sowie Führungspersonal des Unternehmens DESA geplant wurde. Zudem wurden Mittel internationaler Entwicklungsbanken (BCIE, FMO, FinnFund) zur Finanzierung dieser Strukturen missbräuchlich verwendet. Trotz dieser Erkenntnisse wurden bislang nur die unmittelbaren Täter verurteilt.

Honduranische Menschenrechtsverteidiger*innen fordern Gerechtigkeit für Berta Cáceres. Foto: PBI

Am 23. Januar 2026 unterzeichnete Peace Watch Switzerland (PWS) eine gemeinsame Pressemitteilung der Mitgliedsorganisationen der Asociación de Cooperación Internacional (Espacio ACI), in der sie sich zur Veröffentlichung des Abschlussberichts der GIEI äussern und folgende zentrale Forderungen formulieren:

  • strafrechtliche Ermittlung und Verurteilung der geistigen Urheber des Mordes sowie weiterer beteiligter Akteure;
  • umfassende und fristgerechte Umsetzung eines Plans zur integralen Wiedergutmachung für die Opfer;
  • Aufhebung der Konzession des Wasserkraftprojekts Agua Zarca;
  • vollständige Anerkennung und Gewährleistung der territorialen Rechte des indigenen Lenca-Volkes von Río Blanco;
  • konsequente Bekämpfung struktureller Straflosigkeit und Umsetzung von Massnahmen zur Nicht-Wiederholung.

Abschliessend äussern die Organisationen ihre Besorgnis über fortbestehende Defizite bei der strafrechtlichen Aufarbeitung von Gewalt gegen Umwelt- und Menschenrechtsverteidiger*innen, unter anderem im Zusammenhang mit dem Mord an Juan López in Tocoa. Sie fordern umfassende Ermittlungen zu unternehmerischer, finanzieller und politischer Verantwortung, um Straflosigkeit zu beenden und weitere Menschenrechtsverletzungen zu verhindern.

Menschenrechtsbeobachter*innen von PWS begleiten eine Pressekonferenz von COPINH. Berta Cáceres gründete COPINH 1993. Der Rat setzt sich für die Rechte indigener Völker, insbesondere der Lenca, sowie für Umwelt- und Landrechte ein. Foto: PWS, Juli 2025

Am 1. März wird des 10. Jahrestages der Ermordung von Berta Cáceres gedacht

Zehn Jahre nach ihrem Tod lebt ihre Stimme in den Territorien weiter, die das Leben verteidigen, in den Gemeinschaften, die sich gegen Enteignung und Gewalt wehren, und in den Kämpfen gegen Straflosigkeit und Ungerechtigkeit.

Anlässlich des 10. Jahrestages ruft COPINH zu Gedenk- und Mobilisierungsaktionen in Honduras und international auf. Organisationen und Bewegungen weltweit werden eingeladen, Aktionen – unter anderem vor honduranischen Botschaften – durchzuführen und umfassende Gerechtigkeit für Berta Cáceres und das Volk der Lenca zu fordern.